Dienstag, 4. Dezember 2007

Neue kulturelle Beobachtungen, heute: Pikkujoulu

Am Freitag hatte ich meinen letzten Arbeitstag in diesem Jahr, was passenderweise mit unserem Glögijuhla (also, Gluehweinfest) im Buero zusammenfiel. Dazu wurden alle möglichen Leute eingeladen und ab 14h haben wir also die "Arbeit niedergelegt" und Glögi getrunken :) Das ganze war relativ dröge irgendwie, aber es sollte noch anders kommen.

Nach dem Aufräumen und verabschieden und so weiter ging ich mit Anja und Anke zum "Adventskonzert" der Studentenchöre der Åbo Akademi, ein traditionelles Grossereignis, wie wir feststellten! Anderthalb Stunden vorher mussten wir schon Karten kaufen und sassen dann doch eher hinten, allerdings mit grandiosem Blick auf die Grossbildleinwand! Das Konzert war aber sehr schön (was es bei dem Preis auch zu sein hatte!!) und hat schon etwas Weihnachtsgefuehle erzeugt....

Kaum war ich danach zu Hause erreichte mich eine sms einer Kollegin mit der kurzen Ansage ab wann sie in welcher Kneipe zu finden wäre.

Dazu eine kurze Erklärung und Exkurs I:
Wir als NGO sind ja äusserst abhängig von EU-finanzierten Projekten, daher muss natuerlich jeder Projektabtrag super sein und Erfolg versprechen. Meine Kollegen haben monatelang an einem LIFE-Antrag gearbeitet (in Kooperation mit anderen Partnern) bis am Donnerstag abend (am Freitag war deadline) der groesste und wichtige Partner einfach abgesprungen ist und somit das Konzept ruiniert hat!! Unglaublich, dass sowas passiert, aber das gibts anscheinend....am Freitag morgen fand ich zwei uebernächtigte, weinende Kolleginnen vor mir, die nicht mehr ein noch aus wussten. Gut, schlussendlich, nach einigen Verhandlungen konnte der Partner wieder an Land gezogen werden (wenigstens fuer den Antrag) und das Konzept in der letzten Sekunde eingereicht werden.

So, nach diesem Ereignis wollten meine Kolleginnne sich nur noch betrinken. Das zur Vorgeschichte...:)
Also, zunächst waren wir mit einigen Anhängen, sprich Männern, im "Kuka", meiner absoluten Lieblingsbar...immer noch waren böse Witze ueber "den Partner" (ich nenne mal keine Namen, da durchaus bekannt in der "Szene") angesagt....irgendwann ueberredete Anna uns alle mit zum "jatko" vom "Pikkujoulu" des "Ympäristötoimisto" zu kommen...jaha, denkt ihr euch, jetzt spinnt se total...WAS redet die eigentlich?

Exkurs II:
"jatko" = Afterparty (also grob)
"Ympäristötoimisto"= Umweltamt der Stadt, dem wir sozusagen angehören....also auch eher grob
"Pikkujoulu"= unbeschreiblich...
Also, unschuldig gesprochen ist pikkujoulu eine Weihnachtsfeier, die in jeder Firma, Organisation, Amt oder welcher Arbeitsplatz auch immer, einen hohen Stellenwert hat...jedenfalls bei den meisten. Ich hab schon viel davon gehört....aber es kam schlimmer...

Anna, Linda, Heidi und ich, samt zwei unschuldigen, nicht bei UBC-arbeitenden Männern machten uns also auf zur Afterparty der Weihnachtsfeier in den Bueroräumen (!!) des Umweltamtes. Angekommen schallte uns Reggaemusik entgegen...Plastikpalmen, Plastikplanschbecken, Hulaketten...und da waren sie alle: sämtliche Mitarbeiter, ältere Damen und Herren in Kostuem und Anzug, mit Hulaketten und teilweise Hularöcken und Plasikbananen behängt, leicht oder stark gerötete Wangen und anderen Symptomen erhöhten Alkoholkonsums (klar, war ja auch schon die AFTERparty). Heidi und ich beschlossen sofort nur zu "Studienzwecken" kurz zu bleiben und uns dann zu verdruecken.
Zwei Kollegen von uns (beides Finnen :) hatten das ganze Programm dort schon absolviert und waren dementsprechend in Stimmung...davon konnte bei uns keine Rede sein, das Bier im "Kuka" war anscheinend zu schwach:)
Nun ja, jedenfalls haben wir noch ein kleines Geschenk gekriegt und ein Bier natuerlich, als der im Gesicht mit brauner Farbe angemalte und auf dem Kopf eine Rastamuetze mit angeklebten Dreadlocks HEAD OF DEPARTMENT (vor lauter Aufregung hab ich gerade vergessen was das auf Deutsch heisst) uns zur Samba-performence schleppte:
3 anmutige, wenig bekleidete Damen tanzten Samba, während 3 eher orientalisch aussehende Herren dazu Musik machten und die finnischen, alkoholisierten Männer den Damen mit Blicken die wenigen Stoffstuecke noch vom Leib "guckten"...

Die feschen mittelalten Mitarbeiterinnen vom Umweltamt dagegen wurden selbst aktiv und schwenkten alles was sie hatten...oft in sommerlichen Plastikflipflops und den schon erwähnten Hularöckchen.

Da wir eh auffielen wie bunte Hunde (auch wenn Linda uns "netterweise" jedem eine Hulakette besorgte...)beschlossen Heidi, Ari und ich nach ca. 30 min den Studienplatz zu verlassen und weiter zu ziehen...irgendwie waren wir wirklich "Ausländer".Linda als Finnin und Anna als "finnisierte Schwedin" haben länger ausgehalten...

Jetzt hab ich meine "Chefin" schon nakig in der Sauna und besoffen gesehen...was kommt als nächstes???

Auf der Party danach (wo ich urspruenglich hin wollte) mit Anke, Tarantino und Owen Wilson, brauchte ich erstmal bis ich dieses Erlebnis verdaut hatte.....meine Guete!

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